Yakwolle
Die Unterwolle des Yaks wächst vor dem Winter und fällt im Frühsommer von selbst aus. Wer sie nicht auskämmt, verliert sie an Weide und Gebüsch.1 Aus dieser Faser entstehen unsere Schals und Decken – in der Farbe des Tiers, ungefärbt, in Nepal von Hand gewebt.
Woher die Faser kommt
Das Hausyak lebt zwischen 2.000 und 5.000 Metern.1 Nepal hält Yaks in achtzehn alpinen Distrikten; die Tiere ziehen im Sommer auf Hochweiden ohne Zufutter, im Winter in geschützte Tallagen.1 Das Haupterzeugnis ist dort Milch, nicht Faser – die Wolle ist das Nebenprodukt eines Milch- und Fleischtiers, und das Fasereinkommen der Hirten ist entsprechend klein.1
Diese Haltungsform schrumpft. 1961 zählte Nepal rund 200.000 Yaks und Hybriden;1 heute sind es etwa 48.000 Tiere in weniger als zehntausend Haushalten.3 Genannt werden dafür die Abwanderung der Jungen, veränderte Witterung, kleinere Weideflächen und der verlorene Zugang zu tibetischen Weiden.3
Unsere Manufaktur nennt als Herkunft der Faser die Hochlagen von Manang und Upper Mustang.11 Das ist die Angabe der Manufaktur; eine unabhängige Bestätigung liegt uns nicht vor.
Höhenlage, in der das Hausyak gehalten wird.1
Yakbestand in ganz Nepal, gehalten von weniger als zehntausend Haushalten.3
Die Faser ist Nebenerzeugnis; Milch und Fleisch tragen das Einkommen.1
Gekämmt, nicht geschoren
Die feine Unterwolle sitzt unter dem groben Deckhaar, und sie sitzt dort so dicht, dass sich das eine vom anderen trennen lässt, ohne dem Tier seinen Schutz zu nehmen. Gewonnen wird sie von Hand, in der Frühjahrsmauser – in den Wochen, in denen das Tier die Faser ohnehin abstößt.1 2 Wie das im Einzelnen aussieht, steht hier:
Ein ausgewachsenes Tier gibt dabei über mehrere Durchgänge etwa ein halbes Kilogramm Unterwolle im Jahr. Die Angaben reichen je nach Rasse, Alter und Verfahren von gut 200 Gramm bis über ein Kilogramm: Halter nennen 8 bis 20 Unzen je erwachsenem Tier,5 der FAO-Länderbericht für die Mongolei 1.310 bis 1.750 Gramm Gesamtfaser, wovon rund die Hälfte bis knapp zwei Drittel Unterwolle ist.4 Gemeint ist die gekämmte Unterwolle vor dem Entkletteren.
Ein Wort zur Einordnung: Kämmen in der Frühjahrsmauser ist auch bei der Kaschmirziege das übliche und das von den Branchenstandards verlangte Verfahren.2 Wer beim Yak einen Tierschutzvorteil behauptet, müsste ihn am eigenen Lieferanten belegen, nicht an der Tierart. Wir behaupten ihn nicht.
Was die Faser ausmacht
Spanne geprüfter feiner Yak-Unterwolle; im Mittel liegt sie bei etwa 18 µm.6 7 Für unsere Ware liegt kein eigener Prüfbericht vor; die Manufaktur nennt 16 µm.11
Gekämmte Unterwolle eines ausgewachsenen Tiers, je nach Rasse und Alter 200 g bis über 1 kg.4 5
Unterwolle, ohne Deckhaar und ohne Mischfaser – das ist der ganze Punkt bei Yak.11
Wenig Fett heißt schonendere Vorbereitung: Die Faser muss vor dem Spinnen weniger aggressiv gewaschen werden.1
So viele Yaks tragen weißes Haar. Anthrazit, Braun und Grau sind die Farbe des Tiers.2
Warum das Deckhaar heraus muss
Dazu gibt es eine Messung, und sie ist eindeutig: Yak-Unterwolle leitet Wärme schlechter als Yak-Deckhaar – 2,08 gegen 2,63 (×10−4 cal/cm·°C), der Unterschied ist statistisch gesichert.6 Je feiner die Faser, desto besser isoliert sie. Wärme halten heißt, Wärme nicht abzuleiten; das kann die feine Unterwolle besser.
Dazu kommt das Aussehen: Markhaltiges Grobhaar nimmt Farbe schlechter an und zeigt sich im fertigen Gewebe als hellere, härtere Einzelfaser.1 Was an Deckhaar im Garn bleibt, sieht man – und spürt man.
Die Farbe kommt vom Tier
Nur etwa jeder zehnte Yak trägt weißes Haar; der Rest ist schwarz, braun, grau oder gescheckt.2 Anthrazit, Graubraun, Beige und Schwarz sind bei unseren Stücken die Farbe des Tiers, nicht die des Färbebads.
Dass daraus keine hellen Pastelltöne werden, hat einen Grund: Reines Weiß und klare helle Töne wären bei 100 Prozent Yak nur über eine Bleiche zu erreichen, und Bleichen kostet bei dieser Faser Griff und Festigkeit – es ist Gegenstand eigener textiltechnischer Forschung, gerade weil es schwierig ist.10 Wir bleichen nicht.
Vom Garn zum Stück
Gewebt wird in derselben kleinen Manufaktur, in der auch unsere Kaschmirstücke entstehen – von Hand, am Handwebstuhl, eines nach dem anderen. Für eine Yakwolldecke aus zwölffädigem Garn auf 14 Gauge stehen 28 bis 30 Tage am Webstuhl.11
Was davor und danach liegt, ist ebenso Handarbeit: das Garn aufspulen, die Kette einziehen, am Ende die Fransen von Hand drehen. Dieselben Hände, die unser Kaschmir weben, weben auch die Yakwolle – nur die Faser ist eine andere.
Yak oder Kaschmir?
Beides liegt bei uns im selben Preisband, und beides wird in derselben Manufaktur von Hand gewebt. Der Unterschied liegt nicht in der Qualität, sondern im Zweck – und er geht in beide Richtungen.
Ein Punkt, der beim Preis regelmäßig falsch verstanden wird: Dass Yak-Rohfaser etwa ein Viertel von Kaschmir kostet,7 liegt nicht an Überfluss – die Mengen sind kleiner als bei Kaschmir2 12 –, sondern an der dunklen Farbe und daran, dass sich die Faser schwerer verspinnen lässt.7 8
Damit es lange so bleibt
Waschen+
Lieber auslüften als waschen. Wenn waschen, dann von Hand in kaltem bis lauwarmem Wasser mit mildem Wollwaschmittel; Decken im Woll- oder Feinwaschprogramm bei höchstens 30 °C. Nicht reiben, nicht wringen, nicht in den Trockner – liegend trocknen.
Ein Punkt, der zu dieser Faser gehört: Im Vergleich der drei Edelhaare Yak, Kaschmir und Kamel hatte Yak die schlechteste Säure- und Alkalibeständigkeit.9 Aggressive Waschmittel und Hausmittel wie Essig oder Soda schaden dieser Faser mehr als anderen. Mildes Wollwaschmittel, sonst nichts.
Knötchen und Fusseln+
Die Schuppen der Yakfaser liegen flach am Haarschaft an; die Faser verhakt sich schlechter als Wolle und filzt entsprechend träge.1 Ein gemessener Vergleich des Pillings zwischen Yak und Kaschmir liegt uns nicht vor – bilden sich dennoch Knötchen, lassen sie sich abnehmen und sind kein Mangel.
Aufbewahren+
Trocken, luftig und vor Motten geschützt lagern, liegend statt hängend. Vor dem Einlagern lüften; ein eingelagerter Fleck zieht Motten an.
Was diese Faser nicht kann
Über Yakwolle wird viel behauptet. Vieles davon lässt sich nicht belegen. Was wir nicht sagen, und warum:
„Wärmer als Kaschmir."Eine Messreihe, die Yak, Kaschmir und Merino bei gleichem Gewicht vergleicht, gibt es nicht. Wer dreißig oder vierzig Prozent nennt, gibt eine Herstellerangabe weiter.
„Weicher als Kaschmir."Das Gegenteil ist gemessen: An technisch gleich gebauten Flächen fühlte sich Kaschmir am weichsten an,8 und die Kaschmirfaser ist feiner.7
„Die Faser ist hohl."Markkanäle hat nur das grobe Deckhaar – gerade das, was heraus muss. Feine Unterwolle ist markkanalfrei.1
„Nimmt mehr Feuchtigkeit auf als Schafwolle."Die einzige gefundene Messung sagt das Gegenteil: Yak-Unterwolle 7,4 bis 7,7 Prozent, Schafwolle 9,4 bis 11,8 Prozent.1
„Selbstreinigend."Belegt ist eine wasserabweisende Faseroberfläche.6 Selbstreinigung ist etwas anderes.
„Zertifiziert."Für Yakwolle aus Nepal gibt es kein Herkunfts- oder Qualitätszeichen. Die Kollektivmarke der Nepal Pashmina Industries Association gilt für Kaschmir der Chyangra-Ziege, nicht für Yak.
Quellen
- Wiener, G., Han Jianlin, Long Ruijun (2003): The Yak, 2. Auflage, FAO, Bangkok – Fasertypen und Durchmesser, Haardichte je Quadratzentimeter, Kämmen vor der Schur, Wollfett, Feuchteaufnahme, Vliesgewichte, Haltung in Nepal.
- Petrie, O. J. (1995): Harvesting of Textile Animal Fibres, FAO Agricultural Services Bulletin 122, Rom – Zeitpunkt der Gewinnung, Farbverteilung der Tiere, Mengenlage.
- Nepali Times, 15.06.2024: When yaks go, so does culture – Yakbestand in Nepal und Zahl der haltenden Haushalte.
- FAO (2003), Länderbericht Mongolei in The Yak: 1.310 bis 1.750 g Gesamtfaser je erwachsenem Tier.
- North American Yak Association: Angabe der Halter, 8 bis 20 Unzen Unterwolle je ausgewachsenem Tier und Jahr in mehreren Kämmdurchgängen (Verbandsangabe, keine unabhängige Prüfung).
- Danzan, B. et al. (2021): The relationship between fiber diameter and performance of yak wool. Mongolian Journal of Agricultural Sciences 33(2), 20–24 – Wärmeleitfähigkeit von Unterwolle und Deckhaar, Faserdurchmesser, Benetzbarkeit.
- McGregor, B. A. (2012): Properties, Processing and Performance of Rare Natural Animal Fibres, RIRDC 12/150 – Durchmesserspannen von Yak und Kaschmir, Schuppenhöhe, Preisrelation.
- Gürkan Ünal, P., Atav, R., Ergünay, U. (2023): Determining the Permeability and Handle Properties of Wool, Yak and Cashmere Hand-knitted Fabrics. Journal of Natural Fibers 20(2) – Griffprüfung und Spinnbarkeit.
- Liu, C., Xie, C., Liu, X. et al. (2018): Properties of Yak Wool in Comparison to Cashmere and Camel Hairs. Journal of Natural Fibers 15(2), 162–173 – Festigkeit sowie Säure- und Alkalibeständigkeit im Dreiervergleich.
- Yan, K., Höcker, H., Schäfer, K. (2000): Handle of Bleached Knitted Fabric Made from Fine Yak Hair. Textile Research Journal 70(8), 734–738 – Bleichen verschlechtert Griff und schädigt die Faser.
- Angaben der Manufaktur: Herkunft der Faser, Faserfeinheit, Zusammensetzung der Garne, Webdauern.
- Discover Natural Fibres Initiative: Weltmengen Kaschmir-Rohfaser (Verbandsangabe, eigene Quellen FAO 2009 und DNFI 2020).
Stand: 17.09.2026. Diese Seite wird ergänzt, wenn neue Messungen oder Prüfberichte vorliegen.
Mit jedem Stück werden die Frauen bezahlt, die es gewebt haben. Was nach Abzug aller Verkaufskosten bleibt, trägt vollständig die Arbeit von Namaste Kids e. V.