Kaschmirwolle
Die Unterwolle der Chyangra-Ziege aus dem Hochland Nepals – was sie ausmacht, wie sie zu unseren Stücken wird und was sie nicht kann.
Woher die Faser kommt
Kaschmir ist nicht das Fell der Ziege, sondern ihre Unterwolle: die feine Schicht, die sie im Winter unter dem groben Deckhaar wärmt.1 Die Chyangra-Ziege lebt im Hochland Nepals, im Mustang-Distrikt.4 Dort sind die Winter lang und trocken, und die Unterwolle wächst besonders fein.
Im Frühjahr, wenn die Tiere ihr Winterkleid abwerfen, wird die Unterwolle von Hand ausgekämmt.3 Kämmen statt Scheren bewahrt die volle Faserlänge und hält das grobe Deckhaar heraus; anschließend wird die Rohwolle enthaart, bis nur die feine Faser bleibt.1 3 Von einer erwachsenen Ziege bleiben so rund 110 Gramm reine Unterwolle im Jahr.3 Ein Schal der Stufe A wiegt 200 bis 250 Gramm – die Jahreswolle von zwei Tieren.
reine Unterwolle3
gekämmt, nicht geschoren3
Was die Faser ausmacht
Mittlerer Durchmesser unserer Kaschmirfaser, gemessen 2024 in einem unabhängigen Prüflabor: 15,26 µm.8
Obergrenze der Nepal Pashmina Industries Association für zertifiziertes Kaschmir.2
Bis hierher darf eine Faser überhaupt „Kaschmir" heißen.1
Faserdurchmesser im Vergleich, in Mikrometern
Die Achse ist bis 20 Mikrometer gleichmäßig geteilt und danach verkürzt.
- Baby-Kaschmir3≈ 13,5
- Unsere Faser815,3
- Chyangra, Studie Mustang415,4
- NPIA-Grenze2≤ 17
- Kaschmir-Definition1≤ 19
- Kratzschwelle5≈ 30
- Menschenhaar7≈ 78
Die Chyangra-Wolle aus Mustang wurde 2022 wissenschaftlich vermessen: im Mittel 15,36 Mikrometer fein und 46 Millimeter lang.4 Unsere Faser wurde 2024 in einem unabhängigen Prüflabor gemessen: im Mittel 15,26 Mikrometer.8 Im Durchmesser liegt sie damit genau im Bereich der Studie – unter der nepalesischen Zertifizierungsgrenze von 17 und deutlich unter den 19 Mikrometern, bis zu denen eine Faser überhaupt Kaschmir heißen darf.1 2 Zum Vergleich: Ein Menschenhaar misst im Mittel 78 Mikrometer.7
Warum das zählt: Kratzen entsteht, wenn Faserenden dicker als etwa 30 Mikrometer auf die Haut drücken.5 Eine Faser von 15 Mikrometern biegt sich weg, bevor das geschieht – auch direkt am Hals.
Wie viele Fäden zu einem Garn verzwirnt sind.
Wie dicht gewebt wird – Fäden je Zoll.
Was das fertige Stück wiegt.
Diese drei Werte stehen auf jeder Artikelseite unter „Details".
Wie daraus unser Stück wird
Aus dem Garn entsteht das Stück in unserer Manufaktur am Handwebstuhl.8 Ein Tuch steht dort zwei bis drei Wochen, ein schwerer Schal bis zu vier.9 Fransen, Muster und Stickerei entstehen ebenfalls von Hand.9
Drei Stufen, eine Faser. Unsere Stufen A, B und C beschreiben die Zusammensetzung des Garns – nicht die Fasergüte. Die Kaschmirfaser ist in allen drei Stufen dieselbe.8
Im Handel bedeutet „Grade A, B, C" etwas anderes: Dort bezeichnet es die Feinheit der Faser.10 Damit es nicht zu Verwechslungen kommt, sagen wir es ausdrücklich – unsere Faser ist in jeder Stufe dieselbe, im Mittel 15,3 Mikrometer fein.
Reines Kaschmir
100 % Kaschmir, zertifiziert von der Nepal Pashmina Industries Association.
Kaschmir mit Schurwolle
Tücher 85 % Kaschmir und 15 % Schurwolle; Schals und Decken je zur Hälfte. Zertifiziert von der NPIA.
Die genaue Zusammensetzung jedes Stücks steht auf seiner Artikelseite unter „Details".
Vier Farben gibt die Ziege, alle anderen das Färbebad
Kaschmir wächst in Weiß, Grau, Braun und Schwarz – Weiß ist dabei die seltenere Naturfarbe.3 Jede andere Farbe unserer Stücke entsteht im Färbebad unserer Manufaktur.8
Dort wird der Ton vor dem Bad bestimmt, nicht darin: Farbpulver wird auf der Balkenwaage abgewogen und gemischt, Gramm für Gramm. Ob ein Rot beim nächsten Bad wieder dasselbe Rot wird, entscheidet sich an dieser Waage – mit Erfahrung, nicht mit einer Rezeptur aus dem Katalog.8
Der Chyangra-Pashmina-Standard verlangt, dass zertifizierte Stücke farbecht sind und keine schädlichen Azo-Farbstoffe enthalten.2 Was die Farbe dennoch angreift, ist direkte Sonne – deshalb der Hinweis in der Pflege, Kaschmir vor Sonneneinstrahlung zu schützen.
Woran Sie es erkennen
Zertifizierte Stücke der Stufen A und B tragen das Chyangra-Pashmina-Etikett der Nepal Pashmina Industries Association.2 Es wird nur an Betriebe vergeben, deren Ware die Grenze von 17 Mikrometern einhält, farbecht und frei von schädlichen Azo-Farbstoffen ist.
Die Zertifikatsnummer Ihres Stücks können Sie bei uns prüfen: Echtheit prüfen.
Damit es lange so bleibt
Dieselben Hinweise wie auf jeder Artikelseite – hier gesammelt.
Pflege und Aufbewahrung
Pflege
Die Feinheit der Kaschmirfaser verleiht diesem Stück seine weiche Haptik, seine Leichtigkeit und seinen Fall. Mit der richtigen Pflege bleiben diese Eigenschaften über viele Jahre erhalten.
✓ Regelmäßig auslüften statt häufig waschen
Kaschmir wird oft „selbstreinigend“ genannt. Ganz richtig ist das nicht – die Faser reinigt sich nicht selbst. Aber sie bindet Gerüche im Faserinneren und gibt sie beim Lüften wieder ab, und Bakterien, die Geruch erzeugen, finden auf ihrer trockenen Oberfläche schlechte Bedingungen. Deshalb braucht ein Kaschmirschal selten eine Wäsche: Über Nacht ausgelüftet ist er am nächsten Morgen wieder frisch. Was in die Faser eingezogen ist – Rotwein, Öl, Schweiß –, muss gewaschen werden.
✓ Schonende Handwäsche empfohlen
Für die Reinigung empfehlen wir eine sanfte Handwäsche in kaltem bis lauwarmem Wasser (max. 30 °C). Verwenden Sie ausschließlich ein hochwertiges Woll- oder Kaschmirwaschmittel oder ein pH-neutrales Shampoo.
✓ Maschinenwäsche nur im Spezialprogramm
Falls Ihr Pflegeetikett dies zulässt, kann das Stück im Wollwaschprogramm bei maximal 30 °C gewaschen werden. Verwenden Sie einen Wäschebeutel, ein spezielles Wollwaschmittel und wählen Sie die niedrigste Schleuderstufe.
✓ Nicht reiben, wringen oder ausziehen
Die feinen Kaschmirfasern sollten während des Waschens nur sanft bewegt werden. Starkes Reiben, Verdrehen oder Ziehen kann das Gewebe und die Weichheit der Fasern beeinträchtigen.
✓ Schonend Feuchtigkeit entfernen
Nach dem Waschen das Stück vorsichtig ausdrücken, ohne es zu wringen. Anschließend in ein sauberes Handtuch einrollen, um überschüssige Feuchtigkeit aufzunehmen.
✓ Liegend trocknen
Das Stück auf einer ebenen Unterlage in seine ursprüngliche Form bringen und liegend trocknen lassen. Nicht aufhängen, da das Eigengewicht der Feuchtigkeit das feine Gewebe verziehen kann. Nicht im Wäschetrockner trocknen.
✓ Vor Hitze und direkter Sonneneinstrahlung schützen
Direkte Sonneneinstrahlung, Heizkörper oder andere starke Wärmequellen können die empfindlichen Kaschmirfasern austrocknen und die Farbbrillanz beeinträchtigen.
Aufbewahrung
✓ Sorgfältig aufbewahren
Bewahren Sie das Stück stets sauber und vollständig trocken auf. Für längere Lagerzeiten empfehlen sich atmungsaktive Stoffbeutel sowie natürlicher Mottenschutz, beispielsweise durch Zedernholz oder Lavendelsäckchen.
✓ Kaschmir-Pilling ist natürlich
Bei hochwertigen Kaschmirprodukten können sich insbesondere in den ersten Tragewochen vereinzelt kleine Knötchen (Pilling) bilden. Dies ist ein natürlicher Prozess und kein Qualitätsmangel. Die Knötchen lassen sich vorsichtig von Hand oder mit einem speziellen Kaschmirkamm entfernen.
✓ Professionelle Reinigung bei Bedarf
Bei stärkeren Verschmutzungen empfiehlt sich eine professionelle Reinigung mit Erfahrung im Umgang mit hochwertigen Kaschmirprodukten. Beachten Sie stets die Pflegehinweise auf dem Etikett.
Was diese Faser nicht kann
Über Kaschmir wird viel behauptet. Einiges davon stimmt nicht – auch auf unserer eigenen Seite stand es bis 2026. Was wir nicht sagen, und warum:
„Sechsmal wärmer als Schafwolle."Eine Messreihe, die das belegt, gibt es nicht.11 Kaschmir wärmt gut, weil die feine Faser viel Luft einschließt; einen Faktor nennen wir nicht.
„Wasserabweisend."Kaschmir nimmt Feuchtigkeit auf und gibt sie ab – das ist seine Stärke gegen das Schwitzen, aber das Gegenteil von wasserabweisend.
„Reißfest und sehr stark."Im Vergleich der Edelhaare ist Yak die festere Faser.12 Kaschmir ist fein, nicht robust – deshalb die schonende Pflege.
„Pillt nicht."Doch. Kaschmir bildet mit der Zeit kleine Knötchen; die Ursache liegt in den Schuppen der Faseroberfläche.6 Sie lassen sich abnehmen und sind kein Mangel.
„Selbstreinigend."Die Faser reinigt sich nicht selbst. Sie bindet Gerüche und gibt sie beim Lüften ab; was eingezogen ist, muss gewaschen werden.
Quellen
- Federal Trade Commission: Cachet of Cashmere – Complying with the Wool Products Labeling Act. Definition: Unterwolle der Kaschmirziege (Capra hircus laniger), mittlerer Durchmesser ≤ 19 µm, höchstens 3 % Fasern über 30 µm.
- Nepal Pashmina Industries Association: Chyangra Pashmina Certification – Faserdurchmesser ≤ 17 µm, farbecht, frei von schädlichen Azo-Farbstoffen.
- Sustainable Fibre Alliance: What makes cashmere, cashmere? – handelsübliche Spannen 15–19 µm, Faserlänge 28–42 mm, rund 110 g je Tier und Jahr, Kämmen statt Scheren; Naturfarben der Herden Grau, Braun, seltener Schwarz, Weiß am wenigsten häufig.
- Gorkhali, N. A. et al. (2023): Qualitative characteristics of cashmere fiber of Chyangra goat of Nepal. Journal of Nepal Agricultural Research Council 9(1), 114–125. doi:10.3126/jnarc.v9i1.61604.
- Garnsworthy, R. K. et al. (1988): Identification of the physical stimulus and the neural basis of fabric-evoked prickle. Journal of Neurophysiology 59(4), 1083–1097; Naylor, G.: Comfortable next-to-skin wool (CSIRO).
- Wu, Y. et al. (2023): Research on Pilling Performance of Cashmere Knitted Fabric Based on Fiber Frictional Properties. Fibers and Polymers 24(12), 4441–4455. doi:10.1007/s12221-023-00378-3.
- Menschenhaar: Gesamtmittel 78 ± 10 µm bei 823 Probanden aus 24 Ethnien; European Journal of Dermatology (2015), doi:10.1684/ejd.2015.2726.
- SGS-CSTC Standards Technical Services, Prüfbericht SL12401250023701TX vom 06.05.2024 im Auftrag der Manufaktur: Fasergehalt 100 % Kaschmir (AATCC TM20/TM20A), mittlerer Faserdurchmesser 15,26 µm bei 602 gemessenen Fasern, 95-%-Konfidenz ± 0,27 µm (ASTM D2130). Zusammensetzung der Stufen, Färbeverfahren: Angaben der Manufaktur und von Namaste Kids e. V., wie auf den Artikelseiten.
- Webdauern: Angaben der Manufaktur, wie auf den Artikelseiten unter „Details".
- „Grade A / B / C" nach Faserfeinheit ist eine Branchenkonvention ohne Norm.
- Zur Wärme: Yavuzkasap Ayakta, D. & Öner, E. (2020): The Effect of Cashmere Fibres on the Thermal Comfort Properties of Worsted Fabrics. European Journal of Engineering and Applied Sciences 3(1), 1–4 – belegt eine Verbesserung des thermischen Komforts, keinen Faktor.
- Festigkeit: Liu et al. (2018), vergleichende Untersuchung der Edelhaare Kaschmir, Yak und Kamel.
Stand: 17.09.2026. Diese Seite wird ergänzt, wenn neue Messungen oder Studien vorliegen.
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